Hallo,
in unserem Wintergarten ist vor 2 Wochen ein Anhydritestrich eingebracht worden. Derzeit läuft das Anheizen - dazu zwei Fragen:
a) Unsere Heizung (älteres Modell, Kombitherme) hat bei der Vorlauftemperatur eine relativ großre Regelbreite. Es funktioniert also nicht (wie vom Hersteller des Estrichs vorgegeben) hier eine fixe Temperatur einzustellen. Beispiel: Stelle ich anhand des Reglers an der Heizung (Stufen 1 - 7) eine ca. Temperatur von 45 Grad ein, bedeutet dies, dass das Heizwasser in einer Schwankung von 25 Grad bis zu 55 Grad durch die Leitung geht. Bei 55 Grad Zieltemperatur wird der obere Wert vermutlich an die 70 Grad herankommen.
Sind diese Schwankungen für den Estrich ok? Oder muss ich anders heizen?
b) Der Estrich wurde nach 7 Tagen bereits mit PCI Gisogrund grundiert, um Staubeintrag in die angrenzenden Wohnräume zu vermeiden. Beeinträchtigt dies die Trocknungsphase?
Für Antoworten wäre ich sehr dankbar!
Beste Grüße
TB
Hallo Thomas,
eine Schwankung der Vorlauftemperatur zwischen 25°C und 55°C ist schon heftig. Zumal der "junge Estrich" in den ersten 3 Tagen nur eine Maximaltemperatur von 25°C unterworfen werden soll. Dann erst auf maximale Vorlauftemperatur aufheizen und diese dann weitere 4 Tage halten
Bei Calciumsulfatestrich darf die maximale Vorlauftemperatur (an den Heizelementen) ohnehin 55°C nicht überschreiten.
Da wären wir also schon an der Obergrenze.
Diese Schwankungen sind natürlich NICHT in Ordnung.
Spreche doch einmal mit Deinem Heizungsbauer, damit er Möglichkeiten der Temperaturbegrenzung (nur während des Funktionsheizens) aufführen kann.
Warum die Grundierung ausgerechnet vor dem Funktions- und Belegreifheizen aufgetragen werden muss, ist in sich auch nicht schlüssig. Es dient ja der Vorbereitung des Auftrags der Spachtelmasse. Und an diesem Punkt sind wir beim Aufheizen ja noch nicht. Erst muss einmal die Belegreife (ausreichende Trockenheit) des Estrichs festgestellt werden. Mit de CM-Messung, die Löcher im Estrich (hoffentlich nicht in den Heizelementen) hintelassen wird.
ALso: die Grundierung macht zu diesem Zeitpunkt des Baufortschritts keinen Sinn. Und sie kann durchaus die Austrocknungsphase verlängern (siehe einmal in das Produktdatenblatt)!
-.-.-.--
Gruß: Klaus
Hallo Klaus,
besten Dank für Deine ausführliche Antwort! Sie ist sehr hilfreich für mich. Leider lassen sich die Vorlaufschwankungen wohl nicht ganz ausschalten, es ist aber zumindest sicher, dass die 55 Grad am Eingang zu den Heizelementen nicht überschritten werden. Der untere Wert liegt nun bei 42 Grad. Vermutlich dauert es mit dem Trocknen dann etwas länger.
Hinsichtlich der Grundsierung ist das Kind ja schon in den Brunnen gefallen - ich gehe aber mal davon aus, dass die Grundsierung nicht völlig wasserdicht sein wird und der Estrich atmen kann. Ein Produktdatenblatt für das PCI Gisogrund habe ich leider nicht gefunden. Für den Auftrag war - ganz simpel - maßgebend, dass der Staubeintrag ins benachbarte Wohhnzimmer minimeiert werden sollte. Das zumindest hat geklappt.
Abschleifen der Grundierung wäre sicher ein Weg - aber wie kann ich feststellen, ob das wirklich notwendig ist?
Ein ganz anderer Gedanke - ich würde dem Estrich ja gerne eine lange Trockephase gönnen, von mir aus auch bis nach dem Winter. Allerdings würde ich dann schon temporär gern einen Belag aufbringen wollen, den ich dann im Frühjahr wegwerfen würde. Wenn ich es richtig verstehe, wäre Laminat ein Problem, da wenig Feuchtedurchlässig. Wie sähe es denn mit einem Teppich mit Textilrücken aus? Gibt es da Erfahrungen?
Beste Grüße,
Thomas
Hallo Thomas,
die Reduzierung der Vorlauftemperatur ist schon einmal ein wichtiger Apekt.
Ich schrieb hinsichtlich einer Verlängerung der Austrocknungsdauer des Estrichs auch nicht, dass es aufgrund der geringeren Vorlauftemperatur der Heizungsanlage zu einer Trocknungsverlängerung kommen würde, sondern weil eben die Grundierung (als Dampfbremse) bereits appliziert ist.
Hier wurde der zweite Schritt vor dem ersten gemacht, und nun strauchelt das Kind und die Erwachsenen wundern sich ...
Ernsthaft zurück:
Dass ein Estrich atmen soll, ist in der Betontechnologie eher unbekannt. Da gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, warum er das tun sollte! Aber er hat Poren in seinem Gefüge, weshalb er Feuchtigkeit aufnehmen und auch abgeben kann.
Du schreibst: "Für den Auftrag war ... maßgebend, dass der Staubeintrag ins benachbarte Wohhnzimmer minimieert werden sollte..."
Sicher. Im Auftrag kann auch stehen, dass ein Wohnraum hübsch in bestimmten Farben erstellt werden soll.
Nur sollte zum Zeitpunkt des Aufhängens der Gardinen bereits der Wandputz aufgebracht sein.
Und das ist hier in der zeitlichen Abhängigkeit der logischen Schritte der Ausführung eben nicht erkennbar.
Abschleifen würde ich die Grundierung nun nicht.
Aber elektronisches Vormessen zur orientierenden Bestimmung ggf. überhöhter Restfeuchte und mehrere CM-Messungen sind notwendig, damit Ihr beim entsprechenden Ergebnis sicher sein könnt, dass die Belegreife nicht nur erreicht wurde, sondern der Wert auch als repräsentativ für die Estrichkonstruktion anzunehmen ist.
Temporär einen wasserdampfdiffusionsoffenen Teppichboden als Oberbelag zu verwenden ist sicher eine gute Idee!
Eine bessere jedenfalls, als unter diesen Voraussetzungen Laminat.
Eine mögliche Vorgehensweise wäre:
Auf die bereits bestehende Grundierung (bei CM-Restfeuchte bis ca. 0,7) eine Fixierung aufbringen, in welche der diffusionsoffene Textilbelag (Schaumrücken gibt später ausreichend Arbeit, diesen wieder zu entfernen, synthetischer Doppelrücken dagegen ist i.O.) eingelegt und angewalzt wird.
-.-.-.-
Gruß: Klaus