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Donnerstag, 24. Juli 2014

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Sven
Gruppe: Handwerksbetrieb


Thema vom: 05.10.2009
IP: 79.215.***.** | ID: 8482
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Fugen im Heizestrich

Hallo,
meine Mitarbeiter haben in einem Einfamilienhaus Heizestrich (Zement) eingebracht. Nun haben sie folgende Situation vorgefunden. Es wurden keine Bewegungsfugen vom Heizungsbauer gestellt. Sie haben dadurch Scheinfugen in den Türdurchgängen ausgeführt. Nun ist der Bauherr der Meinung, dass dies ein Mängel sei und zahlt nicht. Seines Wissens (durch Belesen im Internet) müssen Bewegungsfugen im Heizestrich eingebracht werden. Aber ich bin der Meinung, dass dies nicht genau definiert ist. Denn in der DIN 18560 Teil 2 unter Punkt 5.3.3 Estrichfugen steht zu lesen - Bei Heizestrich sind in Türdurchgängen in der Regel (wie wird "in der Regel" definiert) Bewegungsfugen anzuordnen. ..... Werden in Heizestrich Scheinfugen in Türlaibungen und Türdurchgängen angeordnet und diese als Fugen auch in Stein u. Keramikbelägen übernommen, sollten diese Scheinfugen nicht geschlossen werden.
Meine Frage hierzu: Wenn keine Fugen gestellt wurden sind, kann man davon ausgehen, dass Scheinfugen angeordnet sind? Wenn dies mit nein zu beantworten wäre, ist wer in der Verantwortung die Bewegungsfugen zu stellen? Der Heizungsbauer oder der Estrichleger? Von einem Planer brauchen wir gar nicht zu sprechen, da dieser meist auf solchen Bauvorhaben nicht fungiert.



Klaus
Gruppe: Sachverständiger


Antwort vom: 06.10.2009
IP: 91.36.***.*** | ID: 8483

Bewegungsfugen in Heizestrichen

Hallo Sven,
die Sachlage ist doch recht klar! Warum der Bauherr hier nicht zahlen will, zumindest MIR auch.
Bewegungsfugen sind durch den Planer vorzugeben. Ist kein Planer in dem Objekt tätig, übernehmen (unfreiwillig) die Unternehmer auch Planungsaufgaben, wenn sie den Bauherrn beraten.
In Wohnbereichen müssen Bewegungsfugen in Estrichen unter folgenden Bedingungen (durch den Estrichleger übrigens, nicht durch den Heizungsbauer) angelegt werden:
a) bei einer komplexen Raumgeometrie
b) bei unterschiedlich anfahrbaren Heizkreisen
c) bei Flächen mit großen Flankenlängen (im Wohnungsbau eher unüblich)
--
Dass die Bewegungsfugen (ich hoffe, Du hast Dich da verschrieben, und es sind keine Scheinfugen, sondern durch den Estrichquerschnitt führende Bewegungsfugen) im Estrich nun in der Türlaibung angeordnet wurden, ist fachtechnisch richtig!
Scheinfugen sind bei der Fugenplanung überhaupt nicht zu berücksichtigen, da diese Fugen nach dem Aushärten des Estrichs ihre Aufgabe als eventuelle "Sollbruchstelle" erfüllt haben - und ohnehin kraftschlüssig mit einem Reaktionsharz verschlossen werden.
--
"In der Regel werden..." bedeutet: das ist der Normalzustand, wenn nicht anderes dagegen spricht.
Noch einmal:
- Fugen werden durch den Estrichleger angeordnet, wenn kein Fugenplan vorhanden ist.
- Über Scheinfugen sprechen wir hier nicht.
- Sind zwischen den Türlaibungen Bewegungs(Trenn)fugen angeordnet, ist das fachtechnisch richtig.
Bedeutet: wenn diese Bedingungen alle erfüllt sind, wie zuvor aufgeführt, dann gibt es keinen technisch hieraus zu begründenden Verdacht, warum sich der Bauherr gegen die Zahlung der Leistung sperren kann.
--..--..
Gruß (und das Thema aufmerksam weiter verfolgend): Klaus

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Axel Kopf
Gruppe: Handwerksbetrieb


Antwort vom: 06.10.2009
IP: 84.162.***.*** | ID: 8486

Bewegungsfugen

Hallo Sven,

wie Klaus schon erwähnte, ist die Sachlage hier ziemlich klar. Ich denke Du hast hier ziemlich schlechte Karten sollte es zu einem Rechtsstreit kommen. Aber rechtlich will und kann ich die Angelegenheit hier nicht beurteilen. Aus technischer Sicht hättest Du im Vorfeld gemäß Schnittstellenkoordination beheizter Fußbodenkonstruktionen nach dem Fugenplan verlangen müssen und wenn nicht vorhanden, Deine Bedenken anmelden müssen. Zumindest hätte man durch Fragen erkunden können, wie die Fußbodenheizung geregelt ist und in den Türlaibungen Bewegungsfugen anordnen müssen. In größeren Räumen kommt es oft auch mal vor, dass die einzelnen Heizkreise über mehrere Thermostate geregelt sind und auch diese durch Bewegungsfugen abgetrennt werden. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, liegt der Oberbelag nocht nicht. Also geh einfach hin und klär mit den an der Bodenkonstruktion Beteiligten(Planer, Heizungbauer, Elektriker) die Sachlage ab und stell nachträglich die erforderlichen Bewegungsfugen her. Nicht gerade einfach den Estrich im Bereich der Bewegungsfugen zu entfernen - also sehr vorsichtig arbeiten, um die Heizrohre nicht zu beschädigen. Am besten mit Hammer und Meisel sehr vorsichtig arbeiten (im Türbereich in der Regel nur zwei Rohre - Vor- und Rücklauf - abklären mit Heizungsfirma). Viel Erfolg bei Deiner Mangelbeseitigung. Gut erledigte Reklamationen sind die beste Eigenwerbung!

Gruß

Axel Kopf

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Sven
Gruppe: Bauherr


Antwort vom: 06.10.2009
IP: 79.215.***.*** | ID: 8492

Vielen Dank für die schnelle Reaktion auf meine Fragen. In den Antworten stellen sich für mich neue Fragen auf:
Wenn der Estrichleger für die Anordnung der Fugen zuständig ist, dann kann er es doch auch festlegen, ob es nun eine Bewegungsfuge oder eine Scheinfuge werden soll. Denn wie in der Fachliteratur beschrieben ( werden in Heizestrich Scheinfugen in Türlaibungen angeordnet und diese .......) ist Voraussetzung natürlich, dass die Raumgeometrie und mehrere Heizkreise im Raum gemeinsam geregelt werden. Bei mir war die Voraussetzung so: 1 Raum 28 qm sonst kleiner und die Heizkreise im Raum werden gemeinsam geregelt). Also könnte ich doch dann die Anordnung geben, dass wir Scheinfugen ( nach DIN 18560 Teil Punkt 5.3.3) anordnen.
Liege ich mit meiner Denkweise falsch?
Vielen Dank für eure Antworten.

Gruß Sven

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Axel Kopf
Gruppe: Handwerksbetrieb


Antwort vom: 07.10.2009
IP: 84.162.***.** | ID: 8493

Scheinfugen

Hallo Sven,

wie Klaus schon beschrieben hat, haben Scheinfugen eine untergeordnete Bedeutung. Und grundsätzlich hast Du selbst überhaupt nichts anzuordnen.Für das gibt es Planer und die Schnittstellenkoordination beheizter Fußbodenkonstruktionen. Wenn kein Fugenplan vorhanden, hast Du selbst die Aufgabe die Sachlage durch Hinterfragen zu erkunden und wenn Du keine Bedenken anmeldest auch das Risiko im Schadensfall. Fakt ist, dass sich ein Estrich bei thermischer Beanspruchung ausdehnt! Logisch ist doch, dass die einzelnen Heizkörper(Fußbodenheizung) am Boden, in der Regel in unterschiedlichen Größen, dementsprechend andere Längenänderungen, Ausdehnungen, nicht zuletzt auch durch unterschiedliche Steuerungen(Temperaturen) aufweisen und spätestens im Türbereich durch eine Dehnfuge getrennt werden müssen. Eine Scheinfuge kann diese Längenänderungen selten auffangen und es wird zwangsläufig nach ein bis zwei Heizperioden zu Schäden in der Fußbodenkonstruktion führen. Je geringer die Größe der Flächen, desto geringer das Schadensrisiko, d.h. je größer, desto sicherer tritt der Schaden ein!

Gruß

Axel Kopf

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peter
Gruppe: Architekt


Antwort vom: 03.06.2013
IP: 89.247.***.*** | ID: 12696

Fugen in Estrichen

generell sind Fugen in Estrichen bei großen Unterschieden der Raumabmessungen,Seitenverhältnisse erforderlich
die Anghaben zu max. RaumLängen / Breiten und deren Seitenverhältnisse sind in EstrichDin festgelegt.
Einschnürungen,Stüzen ,schräge Wandverläüfe etc. erforden ebenso notwendige Bewegungsfugen.
Es kann auch Probleme bei unterschiedlichen Bodenbelägen geben, hier sollten auch Fugen angeordnet werden.
bei Ausführungsplanung durch Architekten,sollte dieser mit dem Haustechnikplaner der Heizung und ggf. Sanitär und Elektro
die Lage der Medien und deren Einflüsse auf den Estrich abstimmen.
Es werden immer mehr Elektro und Wasserleitungen mit im Fußboden verlegt.
Durch die unterschiedlichen Leitungen ( Kreuzungen) unter oder sogar im Estrich ergeben sich später Spannungen die zu Rissen führen können.
Wichtig ist auch das nicht durch zu große Höhentoleranzen in der Rohdecke die Mindest-Estrichstärken unterschritten werden. Toleranzen werden heute durch die Planung am Computer vergessen, im Bau und Ausführung gelten keine
Toleranzen aus Maschinenbau ( mm) sondern cm.

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Bertram Abert
Gruppe: Sachverständiger


Antwort vom: 03.06.2013
IP: 217.233.***.*** | ID: 12697

Hallo peter
Gruppe: Architekt

mich verwundert, dass Du zu Fugen in Estrichen auf eine Anfrage von 2009 antwortest.

Deine Antwort ist in fast allen Fällen richtig, doch dass die Raumlängen in der Estrich Norm festgelegt ist, stimmt nicht ganz. Auch Längen- und Breitenverhältnis ist eher in Hinweisblättern oder Merkblättern als Empfehlung angegeben.

Richtig ist Deine Feststellung, dass Rohre und Leitungen immer mehr auf die Rohdecke gelegt werden, was meiner Meinung eine Unsitte ist, und dass Toleranzen vergessen werden. Ganz schlimm ist es, wenn Rohre sogar in die Estrichscheibe ragen. Hier kann man von einem fachlichen Harakiri sprechen.

Gruß Bertram Abert

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