
Ich habe mal eine Frage, mir bereitet im Moment etwas ziemliche Kopfschmerzen und ich würde gerne eure Meinung dazu wissen.
Ich habe mir letzte Woche den Teppichboden im Schlafzimmer (ca. 14 m2) rausreisen lassen, Der Teppichboden war mit dem Estrichboden verklebt
und mir ist dann aufgefallen daß es schon bei der Arbeit ziemlich gestaubt hat. Geplant war den neuen Teppich einfach reinzulegen (ohne Kleben)
da wusste ich aber noch nicht wie sehr der Estrich sandet und habe den Arbeiter gefragt was man da machen kann. Er meinte er könne den Boden
versiegeln, dann sandet er nicht mehr. Daher entschied ich mich dafür, den Boden versiegeln zu lassen. Er holte dann eine Nivelliermasse und
fing an den Boden mit einer milchigen Flüssigkeit (Haftgrund?) einzulassen, danach rührte er die Nivelliermasse an und verteilte es gleichmäßig
auf dem Boden. Er meinte dann daß müsse nun einen Tag trocknen und danach könne er den Teppich reinlegen. So war es dann auch, am nächsten Tag
legte er den Teppich rein, obwohl ich der Meinung war der Boden sei noch nicht komplett trocken, weil er noch dünklere Stellen hatte, er meinte
aber daß sei nur weil hier mehr ausgeglichen werden musste. Dann ist mir noch aufgefallen daß die Ausgleichsmasse an vielen Stellen in die
Estrichrandfugen gelaufen war. Da ich ein bischen im Internet nachgesehen habe und eigentlich jeder ausdrücklich erwähnt, daß die Randfugen frei
bleiben müssen fragte ich im noch ob das kein Problem ist. Er meinte daß sei kein Problem und ich brauche mir da keinen Sorgen zu machen es
wäre alles in Ordnung. Gut, ich glaubte ihm und lies in den Teppichboden reinlegen.
Jetzt mache ich mir jedoch, ziemliche Sorgen daß folgende Sachen doch nicht in Ordnung sind.
1. Randfugen teilweise mit Spachtelmasse gefüllt, ich weiß jetzt nicht genau, aber schätzungsweise zwischen 30% und 70% der Fugen.
2. Hatte die Ausgleichsmasse genug Zeit zum trocknen bzw. wenn nicht ganz trocken, trocknet Sie auch durch den Teppich ordnungsgemäß aus.
3. Muss der Haftgrund nicht erstmal trocken werden bevor man die Ausgleichsmasse aufträgt.
Und welche Probleme könnten diese "Fehler?" verursachen.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen daß es sich um eine Erdgeschosswohnung in einen Mehrfamilienhaus handelt.
Ich hoffe ihr könnt mir hier weiterhelfen, den mir lässt dieser Boden jetzt einfach keine Ruhe mehr.
Falls ihr noch weitere Informationen benötigt werde ich versuchen diese zu beschaffen.
Danke im voraus
PS: Zu erwähnen wäre vielleicht noch daß sich gleich nach Aufbringung der Ausgleichsmasse, an vielen Stellen kleine Luftblasen gebildet
haben. Auf meine Nachfrage ob das normal sein, wurde mir versichert daß es sogar ein gutes Zeichen ist.
Hallo,
um es kurz und Bündig zu machen,
zu Frage 1
Ja die Randfugen müssen bei einer Schwimmenden Estrichkonstruktion, und davon gehe ich nach Ihrer Beschreibung von aus, zwingend frei bleiben. Zum Einen stellt der Randdämmstreifen die freie Ausdehnung/Bewegung des Estrich sicher, zum Anderen wird der Estrich somit von anderen angrenzenden Bauteilen akkustisch entkoppelt.
Folgende Probleme können nun auftreten:
Egal ob es sich um eine unbeheizte Estrichkonstruktion oder einen beheizten Estrich handelt, so wird er durch Temperaturschwankungen sich ausdehnen bzw. zusammenziehen. Im schlimmsten Fall drücken dann die vollgelaufenen Ränder gegen das Mauerwerk, Trockenbau oder den Putz. Entweder die Spachtelmasse bricht nun in den Rändern hoch oder der Putz bröckelt. Jedenfalls ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich der Estrich seinen benötigten Platz schafft und es somit zu Schäden kommen kann. Denkbar sind auch Brüche bzw. Risse im Estrich.
Ein weiteres Problem stellen sogenannte Schallbrücken dar. Da der Estrich nun nicht mehr vom Mauerwerk entkoppelt ist wird der Schall (Gehschall, Trittschall, Kinderlärm etc.), der im Raum entsteht, direkt an das Mauerwerk übertragen. Im ungünstigsten Fall werden sich Ihre Nachbarn über Lärmbelästigung beschwehren.
Die währe ganz einfach zu vermeiden gewesen, in dem der Handwerker einen neuen Randdämstreifen gestellt und diesen nacht Aushätung der Spachtelmasse abgeschnitten hätte.
zu Frage 2
Diese Frage lässt sich so ohne Weiters nicht beantworten. Dazu weiß ich aus Ihrer Beschreibung einfach zu wenig. Welches Produkt wurde eingesetz? War es eine zementäre Spachtelmasse oder eine auf Alphahalbhydratbasis (Gips)? Wurde die Wassermenge genau beachtet, denn auch dies kann zu unterschiedlichen Färbungen führen.
Selbstverständlich ist Ihre Mutmaßung, dass der Spachtel nicht vollständig austrocknen konnte auch nicht von der Hand zu weisen, allerdings sehe ich das bei der von Ihnen gewählten losen Verlegung des Teppichbodens nicht ganz so tragisch. Der Boden ist diffusionsoffen und kann durch den Belag weiter austrocknen.
zu Frage 3
Wenn ich Ihre Ausführungen richtig verstanden habe, so hat der Handwerker die Fläche gundiert und direkt danach gespachtelt. Einige Hersteller geben dies frei, wenn: 1. im System gearbeitet wird. Das heißt ein Zementestrich wird mit einer zementären Spachtelmasse gespachtelt oder ein Anhydritestrich wird mit Gipsspachtel gespachtelt. 2. der Estrich in seiner ursprünglichen Form, also ohne Rückstände alter Schichten, wie z.B. Klebstoffen ist. Bei Ihnen vermute ich war dies nicht fer Fall, es sei denn der Klebstoff hat sich beim rausreißen des Belages fast vollständig mit abgelöst. Spontan fällt mir kein Hersteller ein, der diese Verfahrensweise freigegeben haben könnte. Vielleicht kann mich hier aber auch ein Kollege schlauer machen.
Für Sie ist letztlich entscheidend, ob die Spachtelmasse auf dem Boden hällt, oder hohl liegt und droht sich abzulösen. Dies widerum lässt sich ohne Ortskenntnis nicht beurteilen.
Problem Bläschenbildung
Keine ganz unbekannte Sache, beim Spachteln werden zwischen Estrichoberfläche und Spachtelmasse in kleinen Hohlräumen Luft eingeschlossen. Bei sehr fließfähigen Massen steigen diese Blasen recht schnell auf und die Oberfläche schließt sich auch wieder vollständig. Um diesen Effekt vollständig zu ermöglichen, bzw. zu beschleunigen empfehlen einige Hersteller hierzu immer noch eine Entlüftungswalze einzusetzen. Bei modernen, hochfließfähigen Spachtelmassen ist dies aber heute meist nicht mehr notwendig, eben weil die Bläschen wie schon beschrieben ganz von selbst aufsteigen.
Ich hoffe etwas Licht in das ganze gebracht zu haben, wenn nicht bitte Nachfragen.
Herzlichst
Edelböden
Danke für Ihre Antwort, daß hört sich leider gar nicht erfreulich an.
Welche Möglichkeit würden Sie Vorschlagen die Spachtelmasse aus den Randfugen zu bekommen, ich dachte mir einfach
mit einer Art Meisel, Schraubenzieher oder Ähnliches und einen Hammer versuchen die Spachtelmasse aufzubrechen und
abzusaugen. Allerdings stelle ich mir das schwierig vor wenn Sie nun bis ganz nach unten reich und außerdem will ich jetzt
nicht durch unüberlegte Handlungen noch mehr kaputt machen. Woran erkenne ich eigentlich ob es ein schwimmender Estrich ist und wäre es bei einen anderen Estrich Problemlos? Ich denke aber die Schallbrücken bleiben weiterhin ein Problem?
Leider kann ich nicht beantworten was für die Grundierung und welche Spachtelmasse verwendet wurde, auch glaube ich nicht
daß die Wassermenge genau eingehalten wurde, ich habe mich halt darauf verlassen daß der Handwerker weiß was er tut.
Ja und Reste vom Klebstoff waren auf jeden Fall noch zu sehen.
Wenn das so schlimm ist denke ich, ich werde es am besten von einer qualifizierten Person Vorort beurteilen lassen und hoffe
daß es nicht zu äufwendig und kostspielig wird die Fehler zu beseitigen.
Aber nochmals danke für Ihren Beitrag.
Hallo,
wie Sie schon richtig beschrieben haben mit Hammer und Meißel, Oszilationsschleifer oder kleinem Trennschleifer frei machen, auskratzen und aussaugen. Viel mehr werden Sie im Moment nicht mehr tun können.
Sicherlich kann es nicht schaden einen Fachmann einen Blick darüber werfen zu lassen. Wenn die Spachtelmasse aber fest und eben liegt sollte das für Ihr Vorhaben genügen.
Das "Gegenteil" eines schwimmenden Estrichs ist ein Verbundestrich und wie der Name es schon sagt ist dieser mit dem Bauwerk verbunden und braucht demnach keinen Randdämmstreifen.
Herzlichst
Edelböden